Dr. Joachim Fischer
 
   Intersubjektivitätstheorie/Sozialtheorie:

 

Der Andere und der Dritte. Zum Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie

Sozialtheorien als Basis aller Kultur- und Sozialwissenschaften lassen Selbst- und komplexe Sozialverhältnisse aus der elementaren Begegnung/Interaktion von ego und alter ego hervorgehen. Sie rekonstruieren, wie sich im Medium von Blicken und Worten, von Handlungen und Erwartungen, von Gütern und Gaben dyadische Strukturen bzw. "Wechselwirkungen" (Georg Simmel) von Scham, Tausch, Kampf, Anerkennung, Kooperation und Liebe bilden. Es gibt eine reiche und differenzierte Denktradition der Figur und Funktion des "Anderen" (Hegel, Feuerbach, Husserl, Buber, Sartre, Levinas, Luhmann (Doppelte Kontingenz) u.a.). Michael Theunissen hat diese sozialontologische Reflexionsgeschichte in seinem Standardwerk "Der Andere" (1. Aufl. 1965) in Grundzügen exemplarisch gruppiert und rekonstruiert.

Ein Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie bahnt sich nun durch eine zunehmend systematische Berücksichtigung der Figur des "Dritten" an, weil erst dadurch Vermittlung, Schiedsrichter, Konkurrenz, Intrige, Koalition, Delegation und Sündenbock als weitere fundamentale Strukturen des Sozialen sichtbar werden. Der Dritte ist kein weiterer Anderer, nicht seine Wiederholung, sondern bringt sozialontologisch neue Figuren und Funktionen (wie kein Vierter, Fünfter etc.). Durch wechselseitige Übersetzung von pychoanalytischen Theoremen zur ödipalen Konstallation/Triangulierung, beziehungssoziologischen/interaktionistischen Ansätzen und von systemtheoretischen Beobachtertheoremen läßt sich ein theoriesystematischer Fundus bilden. Einschlägige Autoren (Freud, Simmel, Sartre, Girard, Serres, Levinas, Luhmann, Coleman u.a.) zum basalen Verhältnis dyadischer und triadischer Figurationen der Interaktion und Institutionenbildung können so aufgearbeitet und ausgewertet werden. Alterität und Tertiarität sollen in ihrer identitäts- und gesellschaftstheoretischen Konsequenz für die Ausdifferenzierung von Recht, Medien, Politik und Marktökonomie rekonstruiert werden - Sphären, die sozialtheoretisch nur durch die Figur und Funktion des Dritten erschließbar sind.

Der Andere und der Dritte. Zur Sozialanthropologie im 20. Jahrhundert.
Vortrag Frankreich-Zentrum der Universität Freiburg, Kolloquium "Historische Diskurse in der Anthropologie und Ethnologie", 13./14. Februar 1998.

Die Funktionen des Dritten bei der Konstitution von Ich und Anderem.
Vortrag Zweite Jahrestagung des SFB 541 Universität Freiburg i. Br., "Identität und Alterität in Theorie und Methode", 16. Februar 1999.

Figuren und Funktionen der Tertiarität. Zur Anthropologie der Medien.
Vortrag "Massenmedien und Alterität", Workshop SFB 541 Universität Freiburg i.Br., 2. Juli 1999.

Der Andere und der Dritte. Zur Anthropologie der Medien.
Vortrag Kommunikationswissenschaftliches Kolloquium Universität Essen, 18.Januar 2000.

Der Dritte. Zur Anthropologie der Intersubjektivität,
in: W. Eßbach (Hrsg.), wir/ ihr/sie. Identität und Alterität in Theorie und Methode, Würzburg 2000, S. 103-136.

Figuren und Funktionen der Tertiarität. Zur Sozialtheorie der Medien,
in: J. Michael/M.K. Schäffauer (Hrsg.), Massenmedien und Alterität, Frankfurt a.M. 2004
, S. 78-86.

"Der Dritte". Plädoyer für eine Theorieinnovation in der Sozialtheorie.
Joachim Fischer / Gesa Lindemann (Organisation): Ad-hoc-Gruppe auf dem 32. DGS-Kongress, München 2004 (4./8. 10. 2004).

The Other and the Third. A Systematic Consideration oft an Innovation in Social Theory,
Configurations of the Third 1800 to present. Third Agents and Missing Links of Modernity. International Conference at St. John's College, Cambridge. 29 - 31 August, 2005.

Der Dritte / Tertiarität. Zu einer Theorieinnovation in den Kultur- und Sozialwissenschaften,
in: Hans-Peter Krüger / Gesa Lindemann (Hg.), Philosophische Anthropologie im 21. Jahrhundert, Berlin 2006, S. 146-163.

Das Medium ist der Bote. Zur Soziologie der Massenmedien aus der Sicht einer Sozialtheorie des Dritten,
in: Andreas Ziemann (Hg.), Medien der Gesellschaft - Gesellschaft der Medien, Konstanz 2006, S. 21-42.

Der Dritte. Zum Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie (Doppelbesprechung v. Th. Bedorf u. D. Wetzel),
in: Soziologische Revue, H. 4/2006, S. 435-441.

Tertiarität. Die Sozialtheorie des "Dritten" als Grundlegung der Kultur- und Sozialwissenschaften,
in: J. Raab / M. Pfadenhauer / P. Stegmaier / J. Dreher / B. Schnettler (Hg.), Phänomenologie und Soziologie. Theoretische Positionen, aktuelle Problemfelder und empirische Umsetzungen, Wiesbaden 2008, S. 121-130.