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Der Andere und der Dritte. Theorien der Intersubjektivität
Seminar
Institut für Philosophie
Universität Bamberg
WS 2008/09
Dozent: Dr. Joachim
Fischer
2 SWS, Dienstag 14:15 – 15.45, U5/118
Sozialtheorien lassen Selbst-, Welt und komplexe
Sozialverhältnisse aus der elementaren Begegnung/Wechselwirkung/Kommunikation
„zwischen“ ego und alter ego, von „Ich“ und „Du“ hervorgehen. Was für das
Alltagsbewusstsein selbstverständlich ist, rekonstruieren sie in basalen Modellen:
wie sich im Medium von Blicken und Worten, von Handlungen und Erwartungen, von
Gütern und Gaben dyadische und kommunitäre Strukturen des Verstehens, von Scham,
Tausch, Kampf, Anerkennung, Kooperation und Liebe bilden. Prominent in der
Sozialtheorie als Grundlagentheorie aller Kultur- und Sozialwissenschaften ist
zunächst „der Andere“. Ein Paradigmenwechsel in der Sozialtheorie bahnt sich
neuerdings durch die systematische Berücksichtigung der Figur und Funktion des
„Dritten“ an, weil erst dadurch weitere fundamentale Strukturen des Sozialen
wie „Beobachterposition“, Vermittlung, Schiedsrichter, Bote/Medium, Konkurrenz,
Intrige, Koalition, Delegation, Institutionalisierung, Sündenbock sichtbar
werden. Im Rückgriff auf Texte einschlägiger Denker (Hegel, Dilthey, Husserl, Mead,
Simmel, Freud, Levinas, Luhmann) sollen die verschiedenen Theorien der Alterität
und Tertiarität erschlossen werden.
M. Theunissen, Der Andere. Studien zur Sozialontologie, Berlin 1965.
G. Rizzolatti, Empathie und Spiegelneurone. Die biologische
Basis des Mitgefühls, Frankfurt a.M. 2008.
G.W.F. Hegel, Das anerkennende Selbstbewusstsein, in: Ders.,
Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften III, Frankfurt a.M. 1970, S.
219-226.
E. Husserl,
Cartesianische Meditationen, Haag 1950, S.121-176. [V.
Meditation: Enthüllung der transzendentalen Seinssphäre als monadologische
Intersubjektivität]
G.H. Mead, Geist, Identität und Gesellschaft – aus der Sicht
des Sozialbehaviorismus, Frankfurt a.M. 1968.
E. Levinas, Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur
Phänomenologie und Sozialphilosophie, Freiburg 1998, S. 209-235
G. Simmel, Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung,
Berlin 1968, S. 73-94 [über Dritten-Figurationen]
S. Freud, Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse,
Wien 1930, S. 338-360 [Ödipale Konstellation].
N. Luhmann Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a. M.
1984, S. 488-550
J. Fischer, Der Dritte. Zur
Anthropologie der Intersubjektivität, in: W. Eßbach (Hrsg.), wir/ ihr/sie.
Identität und Alterität in Theorie und Methode, Würzburg 2000, S. 103-136.
Th. Bedorf, Dimensionen des Dritten. Sozialphilosophische Modelle zwischen
Ethischem und Politischem, München 2003.
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